harder spreyermann

         architekten eth/sia/bsa ag

Umnutzung Drachenburg und Waaghaus Gottlieben, Thurgau, Oktober 2020

Hotel, Restaurant und Konferenz

Bauherrschaft: Stiftung Drachenburg und Waaghaus, Gottlieben

Selektives Verfahren, 2. Preis

Die historische Bausubstanz im Kontext des ländlichen Ortes Gottlieben und die landschaftliche Situation direkt am Seerhein prägen die einzigartige Identität des Ensembles Drachenburg und Waaghaus. Unser Projekt zielt auf eine Freilegung und Inszenierung dieser ausserordentlichen Qualitäten. Entsprechend den heutigen Anforderungen werden die Bauten in einer Haltung des Weiterbauens sorgfältig angepasst und erweitert, so dass sich der Bestand und das Neue zu einer stimmigen Gesamtwirkung verbinden.

Ein feingliedriger Terrassenvorbau schafft für das Ensemble eine neue, einheitliche Front, mit der es sich grosszügig zum Seerhein öffnet. Er lässt den Blick frei auf das Waaghaus und das Rheineckgebäude, welches auf den historischen Hauptkörper zurückgebaut wird. Wie eine Takelage tragen Holzmasten und -träger mit Spannseilen den Schwimmsteg, die Terrassendecks, die segelartigen Markisen und die Geländer. Die filigrane Konstruktion interpretiert nautische Vorbilder und nimmt als dunkle, differenzierte Holzkonstruktion gleichzeitig Bezug zu den prägenden Riegelbauten des Ortes.

Die neuen Beziehungen zwischen der Terrasse, dem Saal, dem Restaurant und den weiteren Nutzungen im Gebäudeensemble des Waaghauses werden durch diese sanften Eingriffe gestärkt und vermitteln dem Besucher eine grosse Varietät an Aufenthaltsqualität auch in den Erschliessungszonen. Das vernakulär gewachsene Haus bekommt dadurch wieder mehr Klarheit und Orientierung, so dass es der historischen Bausubstanz wieder würdig wird.

Mitarbeit:

Regula Harder, Jürg Spreyermann, Oliver Walter, Florian Melzer,

Tomasz Ciszewski

Ansicht Waaghaus

Grundriss Obergeschoss Waaghaus Restaurant, Saal und Terrasse

Grundriss Erdgeschoss Waaghaus Restaurant

Das Restaurant Seerhein ist im Bestand ein schöner Raum, der sich mit den breiten, über Eck gereihten Fenstern grosszügig zum Rhein und zur Uferpromenade orientiert. Es geht um eine Auffrischung des Raumes unter Erhalt der weitgehend geschützten Bausubstanz. Eine umlaufende Bank stärkt die horizontale Wirkung der Fenster und schafft neu an drei Raumseiten attraktive Tischsituationen. Ein Fenster und ein grosszügiger Durchgang verbinden das Restaurant mit der Küche und der Terrasse, ohne dessen räumliche Integrität zu stören.

Schnitt Restaurant Seerhein

Grundriss Restaurant

Schnitt Rheinecksaal

Grundriss Rheinecksaal

Der Rheinecksaal besitzt grosse Bekanntheit für verschiedenste Feste und Anlässe. Durch die Bezüge zum Seerhein und zum Schloss Gottlieben eignet er sich allein durch seine Lage zum besonderen Veranstaltungsort. Die historische Raumstruktur, insbesondere im Dachtragwerk, weist eine hohe Qualität auf. Ziel unseres Entwurfes war es, der guten bestehenden Architektur eine moderne Ausstrahlung zu geben und gleichzeitig die Verbindung zur neuen Terrasse zu stärken. Das Holztragwerk wird neu in einem hellen Raum mit einem dunklen Parkettboden inszeniert. Der Dachraum wird unterstützt durch abgehängte, tropfenförmige Leuchten, die je nach Nutzung dem Raum eine eigene Atmosphäre verleihen können. Die durch den Raum spannenden Holzträger werden ausgefacht und mit einer Spiegeloberfläche belegt. Die sich wiederholende Holzstruktur und die Leuchten werden somit reflektiert und generieren eine Illusion des durchlaufenden Dachraumes. Unser Konzept macht sich dies zunutze, um darunter eine mittige Raumtrennung mittels einer Elementschiebewand zu ermöglichen. Die Fenster sind nun bodentief und können komplett geöffnet werden, so dass sich der Raum über die Terrasse grosszügig zum Seerhein öffnet. So wird an dieser einzigartigen Lage eine attraktive Bühne für Feste und Veranstaltungen aller Art geschaffen.

Schnitt Drachenburg

Grundriss Drachenburg

Der Multifunktionsraum am nördlichen Ende der Drachenburg ist eine einzigartige Ergänzung zu den vielfältigen Räumen der Anlage. Der historische Raum wird in seinem ursprünglichen Charakter als Kellerraum atmosphärisch inszeniert und für die heutigen Nutzungen adaptiert. Die zwei denkmalgeschützten Achteck-Stützen prägen als zentrale Elemente den Raum und die mächtige Holzdeckenkonstruktion wird freigespielt, ergänzt und ihrer Wirkung gesteigert. Eine neue, gedämmte Bodenplatte mit angeschliffener Betonoberfläche schafft mit einer dreiseitigen figurativen Umfassung eine prägnante Raumwirkung. Sie integriert die Treppe und die Rampe für einen behindertengerechten Zugang sowie Sitz- und Ablagebereiche. Ein expressiv rauer Verputz stärkt die rustikal materielle Atmosphäre. Der Raum öffnet sich mit einer Glastür hinter dem historischen Tor zum Strassenraum und zum rückseitigen Hof, welcher als begrünter Aufenthaltsbereich aufgewertet wird.